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Das Projekt wird gefördert durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen und die Landeshauptstadt Dresden, Amt für Kultur und Denkmalschutz.

 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der mit dem Fuchs spricht ist ein Klassenzimmerstück zur Prävention von sexuellem Missbrauch. Es soll Grundschulkinder in der Wahrnehmung ihrer Bedürfnisse und Grenzen stärken. In der Begegnung von Junge und Clown werden auf spielerische, poetische Weise Grenzübertretungen sichtbar gemacht, und die Erfahrung von Nähe und Distanz, von Misstrauen, aber auch dem Wagnis, wieder Vertrauen zu lernen.

 
Clown: Darf man eintreten?
Nase: Nein.
Clown: Oh, Entschuldigung. Darf man miteinander sprechen?
Nase: Warum?
Clown: Weil ich mir die Erlaubnis holen möchte, einzutreten.
Nase: Ist schon voll hier.
Clown: Schade. (will gehen)
Nase: Aber die andern gehen gleich wieder.
Clown: Schön. Dann kann ich reinkommen?
Nase: Nein.
Clown: Warum nicht?
Nase: Das hast Du schon gefragt.
Clown: Aber noch keine Antwort bekommen.
Nase: Doch.
Clown: Welche?
Nase: Dass hier schon voll ist.
Clown: Aber wenn die andern gehen, dann ist hier nicht mehr voll.
Nase: Stimmt.
Clown: Also kann ich reinkommen?
Nase: Nein. Jetzt nicht.
Clown: Schade.
  (aus dem Stück DER MIT DEM FUCHS SPRICHT)
 
   

„Riechen ist besser als gucken, vor allem im Dunkeln“ sagt Nase. So hat er auch die Gaskartusche gefunden, mit der er sich jetzt seine Ravioli heiß macht. Nase ist ein etwa zehnjähriger Junge, der in einem ausgedienten Bus auf einem Autofriedhof lebt. Warum? Darüber spricht er nicht gern. Aber er kann sich Essen besorgen und nachts dem Rascheln der Igel lauschen. Und wenn er sich allein fühlt, spricht er mit dem Fuchs, der schon lange sein Freund ist, auch als er noch zuhause wohnte. Doch dann zog Onkel Sven bei ihnen ein. Eines Nachts kam er in Nases Bett, und dann immer wieder. Da ist Nase abgehauen. - Plötzlich hört er Geräusche, die ihm nicht vertraut sind. Ein Mensch schleicht zwischen den alten Bussen umher, ein Clown. Auch er ist auf der Suche nach einem neuen Zuhause.

Was zunächst wie eine neuerliche Bedrohung erscheint, wird für den Jungen, der sich selbst den Namen Nase Nase gegeben hat, zu einer ganz neuen und heilenden Erfahrung. Der Clown respektiert seine Grenzen, der Clown nimmt ihn ernst und hört ihm zu. Und gemeinsam mit dem Clown findet Nase eine Möglichkeit, die Monster der Vergangenheit zu vertreiben.
Aber auch für den Clown, der keiner mehr ist, weil der Direktor ihm die Koffer vor die Tür bzw. das Zirkuszelt gesetzt hat, wird die Begegnung mit dem Jungen zu einer Reise in die eigene Vergangenheit und hin zu den Wurzeln, die ihn einst stark gemacht haben.
Für den Jungen wie für den älteren Mann, der Nases Großvater sein könnte, wird die Begegnung zu einer neuen Erfahrung von Nähe und Vertrauen, und der Busfriedhof zu einer Insel, auf der sie sich sicher fühlen können, jeder in seinem Bus. Und sie können sich besuchen, wann immer sie wollen. Ob sie irgendwann gestärkt wieder zurückkehren werden in die Gemeinschaft, aus der der Junge geflohen ist, und aus der der Clown ausgestoßen wurde, bleibt am Ende eine der möglichen Visionen.

Das Theaterstück DER MIT DEM FUCHS SPRICHT erzählt die Geschichte einer ungewöhnlichen Begegnung zweier Menschen, die geprägt sind von ihren unterschiedlichen Ängsten und traumatischen Erfahrungen. Voller Misstrauen stehen sie sich zunächst gegenüber.
Sexueller Missbrauch wird aber nicht vordergründig als eine Art "Fallstudie" gezeigt, sondern bildet den Hintergrund für die Entscheidung des Jungen, von seiner Familie wegzugehen. Dieser extreme Entschluss, sich fortan von menschlicher Gesellschaft fernzuhalten, ist eine künstlerische Überhöhung, die die Not des Jungen, aber auch seine (Über)Lebenskraft zeigen soll. Im übertragenen Sinn ist es auch eine Ermutigung für gefährdete Kinder, die Opferrolle zu verlassen, der eigenen Kraft zu vertrauen und sich selbst schützen zu lernen, sich Hilfe zu suchen. So wie der Junge Nase lernt, wie hilfreich und heilend menschliche Gemeinschaft sein kann, wie Vertrauen wieder möglich wird.
Nicht zuletzt ist die Geschichte auch eine Brücke zwischen der Welt von Kindern und der von Erwachsenen und macht erlebbar, wie ein Dialog möglich ist.

Ein Schauspieler, eine Schauspielerin, 2 Koffer und 1 Rucksack – mehr ist nicht notwendig, um die Geschichte in einem Klassenzimmer zum Leben zu erwecken. Alles, was die beiden Figuren brauchen, haben sie dabei. Und wenn doch etwas fehlt, dann wird ein beliebiger Gegenstand, den sie im Klassenzimmer vorfinden, zu genau dem, was er dann sein soll. So können beispielsweise ein paar Bundstifte zu leckeren Ravioli werden oder ein Tafellineal zur Tür eines ausrangierten Reisebusses.

Das Theaterstück DER MIT DEM FUCHS SPRICHT (damaliger Arbeitstitel: NASE) gehörte zur Auswahlliste des Deutschen Kindertheaterpreises 2012 des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Die Inszenierung für Theater im Klassenzimmer ist eine Uraufführung.